Was ist der Herzmeridian?
Der Herzmeridian (Heart Meridian, He) ist einer der zwölf Hauptmeridiane in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Er gehört zum Yin und ist dem Feuer-Element zugeordnet – gemeinsam mit seinem Partnermeridian, dem Dünndarmmeridian.
Der Herzmeridian beginnt im Herzen, verläuft durch die Achselhöhle, entlang der Innenseite des Arms bis zum kleinen Finger (Punkt He 9). Er ist der kürzeste der zwölf Hauptmeridiane – aber in der TCM der bedeutendste: Das Herz gilt als „Kaiser aller Organe“.
Funktion des Herzmeridians in der TCM
Das Herz hat in der TCM eine weit größere Bedeutung als in der westlichen Medizin. Es ist nicht nur für den Blutkreislauf zuständig, sondern beherbergt den Shen – den Geist. Alle mentalen und emotionalen Aktivitäten, das Bewusstsein, die Intelligenz und die Fähigkeit zur Freude sind im Herzen verankert.
- Shen beherbergen – das Herz ist der Sitz des Geistes. Ein starkes Herz-Chi zeigt sich in klarem Denken, emotionaler Stabilität und einem ruhigen, freudvollen Wesen.
- Blut regieren – das Herz treibt das Blut durch die Gefäße. Starkes Herz-Chi = kräftiges, lebhaftes Blut; schwaches Herz-Chi = blasses Gesicht, Erschöpfung.
- Zunge öffnen – das Herz öffnet sich in die Zunge. Sprachprobleme, Stottern oder ein roter Zungenkörper können auf Herz-Ungleichgewichte hinweisen.
- Gesicht reflektieren – die Durchblutung des Gesichts spiegelt die Herzstärke wider: ein rosiges Gesicht zeigt gutes Herz-Blut, ein blasses oder rötliches Gesicht kann auf Mangel oder Hitze hinweisen.
- Freude als Emotion – Freude ist die dem Herzen zugeordnete Emotion. Übermäßige Aufregung oder Freudlosigkeit schaden dem Herzen.
Typische Disharmonien des Herzmeridians
Herz-Qi-Mangel
Das häufigste Muster: Herzrasen, Kurzatmigkeit bei Anstrengung, Erschöpfung, blasses Gesicht, Übermäßiges Schwitzen. Oft verbunden mit Angst und Unruhe.
Herz-Blut-Mangel
Typisch bei Überarbeitung, Blutarmut oder nach Blutverlust: Schlafstörungen, lebhafte Träume, Herzrasen, blasses Gesicht, schlechtes Gedächtnis, Angst und innere Unruhe.
Herz-Feuer (Herz-Hitze)
Wenn Stress und Emotionen sich in Hitze verwandeln: Schlaflosigkeit, Unruhe, rote Zunge mit Spitze, Mundgeschwüre, dunkler Urin, Herzrasen, Reizbarkeit.
Herz-Yin-Mangel
Tiefere Erschöpfung: Nachtschwweiß, Hitzegefühl abends, Unruhe, Herzrasen, trockener Mund, Schlaflosigkeit mit vielen Träumen.
Die wichtigsten Akupunkturpunkte des Herzmeridians
He 3 – Shào Hǎi (少海) „Kleines Meer“
An der Innenseite des Ellenbogens, in der Vertiefung zwischen dem medialen Epikondylus und der Ulnasehne. Kühlt Herz-Feuer, beruhigt den Geist. Hilft bei Herzrasen, Angst, Ellenbogenschmerzen und emotionaler Übererregung.
He 7 – Shén Mén (神门) „Pforte des Geistes“
Am Handgelenk, auf der Ulnarseite, in der Vertiefung am Ende der Handgelenkfalte. Der wichtigste Punkt des Herzmeridians. Beruhigt den Shen, fördert den Schlaf, lindert Angst, Herzrasen und emotionale Unruhe. Ideal bei Schlafstörungen und Stress.

He 9 – Shào Chōng (少冲) „Kleiner Anstoß“
An der radialen Seite des kleinen Fingers, nahe der Nagelwurzel. Letzter Punkt des Herzmeridians. Notfallpunkt bei Bewusstlosigkeit und Hitzschlag; klärt Herz-Feuer und belebt den Geist.
Praktische Akupressur-Tipps für zu Hause
- He 7 (Shen Men): Mit dem Daumen der anderen Hand sanften Druck auf die Vertiefung am Handgelenk (Ulnarseite) ausüben, 1–2 Minuten pro Seite. Besonders wirksam abends vor dem Schlafen bei Unruhe und Einschlafschwierigkeiten.
- He 3 (Shao Hai): Ellenbogen leicht beugen, mit dem Daumen die Vertiefung an der Innenseite des Ellenbogens stimulieren, 1–2 Minuten kreisend. Hilft bei emotionaler Übererregung und Herzrasen.
- Handgelenk-Massage: Sanftes Ausstreichen der Innenseite des Arms vom Handgelenk bis zur Achselhöhle – aktiviert den gesamten Herzmeridian und fördert die Entspannung.
Die aktivste Zeit des Herzmeridians ist laut TCM zwischen 11 und 13 Uhr – die Mittagszeit. Eine kurze Mittagsruhe in diesem Zeitfenster unterstützt die Herzregeneration besonders effektiv.
Lebensstil & Ernährung für einen starken Herzmeridian
- Rote Lebensmittel: Rote Datteln, Wolfsbeeeren, Tomaten, rote Paprika – nähren in der TCM das Herz-Blut.
- Bittere Lebensmittel (in Maßen): Dunkle Schokolade, Kaffee, Chicorée – dem Feuer-Element zugeordnet, unterstützen das Herz.
- Sommer als Herzzeit: In der TCM ist der Sommer die Jahreszeit des Herzens – Zeit für Freude, Geselligkeit und Aktivität, aber auch für ausreichend Ruhe in der Mittagshitze.
- Freude kultivieren: Positive soziale Kontakte, Lachen und kreative Tätigkeiten stärken das Herz-Chi.
- Stress reduzieren: Chronischer Stress ist der größte Feind des Herzens – Meditation, Qi Gong und Atemtechniken helfen, den Shen zu beruhigen.
- Ausreichend Schlaf: Das Herz regeneriert sich im Schlaf – besonders die Stunden vor Mitternacht sind wertvoll.
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Inhaltsstoffe & ihre Wirkung:
- Wilde Yamswurzel (Dioscorea Villosa) – stärkt das Nieren-Chi, regt die körpereigene DHEA-Produktion an und unterstützt Herz-Kreislauf-Gesundheit
- Rote Dattel (Zizyphus Jujuba) – klassisches TCM-Mittel bei Blutarmut und Herzrasen durch schwache Herzenergie
- Wolfsbeere (Lycium Barbarum) – nährt bei Nierenenergie-Mangel und unterstützt Vitalität
- Ingwerwurzelöl – vertieft die Wirksamkeit und fördert die Durchblutung
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Morgens und abends 1–2 Teelöffel auf die Chakren auftragen und einmassieren.
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Herzmeridian & das Feuer-Element – Verbindungen im TCM-System
Das Feuer-Element umfasst in der TCM vier Meridiane: Herz, Dünndarm, Perikard und San Jiao (Dreifacher Erwärmer). Das Herz steht dabei als „Kaiser“ im Zentrum. Eng verbunden ist es auch mit dem Nierenmeridian – in der TCM müssen Herz (Feuer) und Niere (Wasser) in ständiger Kommunikation stehen, damit der Körper im Gleichgewicht bleibt.
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Fazit
Der Herzmeridian ist in der TCM weit mehr als ein Kreislaufkanal – er ist der Hüter unseres Geistes, unserer Emotionen und unserer Lebensfreude. Ein starkes Herz-Chi zeigt sich in klarem Denken, ruhigem Schlaf und einem strahlenden Gesicht. Mit Akupressur, bewusstem Lebensstil und unterstützenden Pflanzenkräften lässt sich der Herzmeridian nachhaltig stärken.
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Quellen & weiterführende Literatur
- Maciocia G. (2015): Grundlagen der Chinesischen Medizin. Elsevier. hugendubel.de
- Deadman P., Al-Khafaji M. & Baker K. (2007): Handbuch Akupunktur. Verlag für Ganzheitliche Medizin. hugendubel.de
- Kaptchuk T.J. (2006): Das große Buch der Chinesischen Medizin. Fischer Taschenbuch. hugendubel.de
- World Health Organization (WHO): WHO Standard Acupuncture Point Locations in the Western Pacific Region. 2008. iris.who.int
- Larre C. & Rochat de la Vallée E. (1995): The Liver. Monkey Press. naturmed.de
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden bitte ärztlichen oder therapeutischen Rat einholen.

